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Die Wiesbadenerin und Wahlgriechin Christiane Erdmann, 1950 in Bonn geboren, wuchs in Istanbul und Berlin auf, lebte und arbeitete für einige Jahre in Rom. Ihre Ausbildung erhielt sie an der Werkkunstschule Wiesbaden. Sie arbeitete am hessischen Staatstheater Wiesbaden und dem Nationaltheater Mannheim im Bereich Bühnenbild. An der Akademie für Bildende Künste der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz hatte sie einen Lehrauftrag inne.

Ausstellungsprojekte und Galerievertretungen reichen über Deutschland hinaus bis nach nach Hong Kong, Italien und die Schweiz. Als freischaffende Künstlerin waren zunächst Fotografie und Metallplastik die Arbeitsschwerpunkte Christiane Erdmanns, bevor sie sich seit 1994 der Holzbildhauerei widmete.

Christiane Erdmann ist Mitbegründerin des „Künstlerverein Walkmühle“ und hat sich dort als Kuratorin zahlreicher Themenausstellungen einen Namen gemacht.

Über Christiane Erdmanns Arbeit

Von Harald Lubasch / Stefanie Blumenbecker

Die Kettensäge hat Einzug in die Bildhauerei gehalten. Sie ist ein äußerst effektives Werkzeug, das ein schnelles und beinahe spontanes Arbeiten erlaubt. In der Regel setzen Bildhauer die Kettensäge ein, um die Grobform aus dem Werkstoff Holz zu schälen. Anders bei Christiane Erdmann: Die Spur des als brachial missverstandenen Werkzeugs wird (fast) nie zur Gänze durch feinere Arbeitsmethoden getilgt. Die verschiedenen Stufen des Bearbeitungsprozesses sind Teil des fertigen Werks und werden als Stilmittel kultiviert. Die Schnittspur der Sägekette kann da wie ein Zeichenstift benutzt worden sein, der durch die endgültige farbige Fassung der Skulptur durchscheint. Und – Christiane Erdmann arbeitet aus dem gewachsenen Stamm heraus. Risse oder Drehungen, die beim Trocknen ihres Materials auftreten können, sind zwar nicht beabsichtigt aber als lebendige Zutat –Holz arbeitet – akzeptiert.

Christiane Erdmann arbeitet figürlich. Es sind Menschenbilder und Tierdarstellungen, wenig abstrahiert oder annähernd erscheinungsgemäß. Als Vollfigur, Torso oder Büste. In der klassischen Tradition der Bildhauerei war der Mensch immer Maß und dominantes Thema gewesen. Bei Christiane Erdmann gesellen sich szenische Darstellungen und eine ganze Menagerie von Tieren jedweder Art dazu.
Bei den Menschendarstellungen überwiegen die der Mädchen oder jungen Frauen. Selbstbewusst inszenieren sie sich, provozieren, posen. Eine Spur Unsicherheit, Zweifel, Selbstzweifel bleibt mitunter. Dann wieder ganz natürlich. Der Erdmannsche Jung-Frauen-Typ hat vor Jahren als eine neue Mädchengeneration medial Furore gemacht und ein eigenes Etikett „Girly“ verpasst bekommen.
Alle menschlichen Figuren erzählen dem Betrachter etwas über sich, oder bieten ihm etwas an.

Szenisch setzt sie eine Inszenierung von Robert Wilson um. Das Berliner Ensemble spielte das Stück „Shakespeares Sonette“. Sie friert Gesten, Mimik und Kostüme, die sie für sich als typisch und prägnant herausgezogen hat, ein und übersetzt diese auf meisterhafte Weise in ihre Sprache, das Material Holz

Tiere entstehen oft in ganzen Rudeln, Herden, Schwärmen oder Rotten. Erdmann ist eine genaue Beobachterin und große Freundin der Fauna. Keines der Tiere gleicht dem anderen. Es sind alles Individuen, die doch auch miteinander kommunizieren. Alle Arbeiten entstehen wie gesagt, aus einem Stück Holz und so wirkt die Skulptur auf ewig verbunden mit dem Stamm, aus dem sie befreit wurde. Der Stamm bleibt das „Erdende“.

Mit den Stillleben hat Christiane Erdmann nun ein ganz neues Genre eröffnet. Sie widmet sich einem Thema, das bis dahin der klassischen Malerei vorbehalten war. Als Bildhauerin erhebt sie dieses nun in die dritte Dimension. Obst, Gemüse, erlegte Fasane, Weinglas, Kerze und andere typische Utensilien wachsen aus dem Stamm. Mit den „nonfoodstills“ greift sie auch in die „Vanitas-Kiste“ und es tauchen Totenschädel, Stundenglas, Schlüssel, Bücher und anderes auf.
Und dann geht sie noch in die Erweiterung des klassischen Stillebens – dem Arrangement aus unbelebten Dingen – und erfindet die „Taschen“. Eine Handtasche ist der Ausdruck individueller Persönlichkeit und da Erdmann schamlos die Inhalte der Taschen auf den Block „entleert“, geben diese natürlich auch Rückschlüsse auf die Trägerinnen frei. Es finden sich Lippenstifte, Tabletten, Zigaretten, Parfums, Bonbons, Brillen und alles mögliche… Diese Arbeiten sprechen, wie so manche andere auch, für ein großes Quantum Humor, mit dem die Künstlerin ausgestattet ist.


„Es gibt noch nichts Endgültiges für mich in meiner Arbeit, alles ist immer wieder neu, ich lerne unentwegt dazu: Deswegen möchte ich mich auch nicht festlegen lassen – panta rhei – . Wenn ich das Gefühl der Endgültigkeit hätte, käme ich mir wie ein Plagiator meiner selbst vor. Dann wird es höchste Zeit sich etwas Neuem zuzuwenden.“

(Zitat Christiane Erdmann)

Kataloge & Druckwerke

Vieler Hände Arbeit Cover

Vieler Hände Arbeit

Portraitfotografien: Christiane Erdmann, Einführungstext: Wulf Winkelmann.
Ausstellungskatalog anlässlich der Wiedereröffnung der sanierten Walkmühle in Wiesbaden 2022

Erschienen 2022, 186 Abb., 204 Seiten, Deutsch

Verlag Walkmühle,
Impressum Seite 195

Christiane Erdmanns Werkstatt Cover

Christiane Erdmanns Werkstatt

Ein Besuch im Winter 2015

Fotos eines Werkstattbesuches.
Mit Texten von Dr. Isa Bickmann und Klaus Dettke.

Erschienen 2015, 34 Abb., 36 Seiten, Deutsch/Englisch

Monika Houck (Editor/Design),
Impressum Seite 50

Shakespeares Sonette Cover

Shakespeares Sonette

SHAKESPEARES SONETTE – Zwölf Skulpturen zu der Inszenierung von Robert Willson am Berliner Ensemble 2003

Erschienen 2015, 26 Abb., 36 Seiten, Deutsch/Englisch

Herausgegeben von Christiane Erdmann mit freundlicher Unterstützung durch Galerie Michael W. Schmalfuß Berlin/Marburg,
Impressum Seite 34

Von Tieren und Menschen Cover

Christiane Erdmann
Von Tieren und Menschen

Neue Werke von 2009 bis 2014

Erschienen 2014, 117 Abb., 120 Seiten, Deutsch/Englisch

Herausgegeben von Christiane Erdmann, mit freundlicher Unterstützung: Galerie Barbara von Stechow, Galerie Cerny + Partner, Galerie Michael Schmalfuß, MB-Baumdienste, Impressum Seite 116